Hätte, Hätte…Fahrradkette!

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Wie verrückt muss man eigentlich sein, wenn man den Ironman noch nicht mal absolviert hat, sich schon für den nächsten Wettkampf anzumelden? Im Sommer fiel die Entscheidung, nach Hamburg auch noch die Mitteldistanz auf Rügen zu machen. Schließlich wurde kurzer Hand der gesamte Jahresurlaub auf den Wettkampf ausgerichtet und die Anreise erfolgte schon drei Wochen vor dem Event. Ohne Trainingsplan und konkrete Ambitionen habe ich auf „Big Island“ am Schwimmen und dem Tempo im Laufen gearbeitet. Das Wetter war über die gesamte Zeit sehr wechselhaft und so war es wenig verwunderlich, dass das Schwimmen im Meer oft wenig mit Wettkampftempo zu tun hatte und das Laufen im Wind auch sehr zäh ablief. Wie im Vorjahr hat sich die Insel am Wettkampftag aber von seiner besten Seite gezeigt. Eine spiegelglatte Ostsee, beste Stimmung bei den Zuschauern und nahezu ideale Windbedingungen auf weiten Teilen der Rad- und Laufstrecke. Mit den Erfahrungen aus dem Vorjahr habe ich mich beim Schwimmen in die zweite Gruppe nach den Profis einsortiert und wollte unter 35 Minuten schwimmen. Die Nervosität hatte ich im Vergleich zum Vorjahr gut im Griff und so ging es gegen 10:15 Uhr in die wellenarme Ostsee. Bis zur ersten Boje bin ich sehr kontrolliert geschwommen und wurde dann in eine ziemlich fiese Prügelei verwickelt. Ich habe in all meinen Wettkämpfen zwar immer wieder mal damit zu tun gehabt, aber was da abging war einfach mega unsportlich.

Boxen oder Triathlon?

Wenn Du mit zwei Armen komplett und und mit jedem Vorsatz nach unten gezogen wirst und dann noch einen Faustschlag ins Gesicht bekommst, hast Du eher das Gefühl beim Boxen als beim Triathlon zu sein. Aber: kurz durchgeschüttelt und weiter auf dem Kurs. Ernüchterung beim Schwimm-Ausstieg – 37min und damit eigentlich deutlich unter den eigenen Erwartungen. Eigentlich? Dazu später mehr… Mit Tempo also erstmal durch die Wechselzone, rauf aufs Rad, mit Tempo raus aus Binz und die Wattzahl kontinuierlich in den Bereich von über 240 Watt bringen und halten. Hier lief zunächst alles sehr gut. Das Gefühl nach den ersten 45 Kilometern war sogar so gut, dass ich mir zutraute auf der zweiten Hälfte noch eine Schippe drauf zu legen. Am Bahnübergang in Putbus wurde ich allerdings mit einem lauten Knall aus meinem Tunnel geholt. Die Radbox, die mir extra für das Rennen angepasst wurde, ist durch die Erschütterungen abgerissen worden und zerteilte sich über die Strasse. Mit einer scharfen Bremsung und dank aufmerksamer Zuschauer konnte ich mir recht schnell einen Überblick verschaffen und entschied mich das Material bis auf einen Schlauch, den ich mir in das Trikot steckte, an Ort und Stelle zu belassen. Mit einer ordentlichen Portion Wut im Bauch machte ich mich mit Tempo zurück nach Binz, um in die Laufschuhe zu wechseln. Auf den ersten Kilometern des Halbmarathons konnte ich ein ordentliches Tempo von um die 4:00 min/km anschlagen. Euphorisch wurde ich dennoch nicht, da ich ja wusste, das der Klünderberg noch auf mich warten würde. So kam es dann auch, wie es kommen musste: Das Tempo musste ich deutlich reduzieren und der Kopf fing an zu arbeiten. Wie liege ich nach dem durchwachsenen Schwimmen, dem nur „normalen“ Radfahren jetzt wohl im Rennen? Wo stehe ich im Ranking in meiner Altersklasse? Die Wechselzone war nach dem Schwimmen noch verdächtig voll und auch nach dem Radfahren sah es gar nicht so schlecht aus. Mit dem Lauf sollte ich aber wahrscheinlich ein paar Plätze verloren haben…3 Kilometer vom Ziel habe ich entgegen meines Vorhabens doch mal auf der Uhr nach unten gedrückt, um mir die Gesamtzeit anzuschauen und sofort war klar, dass es noch nicht mal für die Vorjahres-Zeit reichen würde. Also ab ins Ziel, Medaille abholen und ganz schnell einen Haken an das Rennen machen? Im Nachzielbereich bekommt man ja relativ schnell mit, wie das Rennen der Profis so gelaufen ist und ich hörte, dass es ziemlich hohe Zeiten insbesondere beim Schwimmen gab und die Strecke wohl falsch vermessen worden sei. Also bemühte ich doch nochmal meine Uhr für die GPS-Daten und konnte erstaunt feststellen, dass ich so schnell wie noch nie in dieser Saison geschwommen bin, allerdings der Kurs knapp 400 Meter zu lang war. Vorhin habe ich das Wort „eigentlich“ benutzt, als ich von der Unzufriedenheit bezüglich meines Schwimmens geschrieben habe und da sieht man mal, wie man sich von Zahlen verleiten lassen kann. Ich bin mit einem ziemlich blöden Gefühl vom Schwimmen zum Rad und nach dem Defekt war das Rennen an einem Punkt angekommen, an dem ich innerlich den Fokus komplett verloren habe. So bleibt ein 22.Platz, welcher immerhin eine Verbesserung um 12 Plätze bedeutete, mit einem absolut machbaren Rückstand auf den Qualifikations-Platz für die WM. Hätte ich nicht nach dem Schwimmen auf die Uhr geguckt! Hätte ich beim Radfahren keinen Defekt gehabt! Hätte ich beim Laufen nicht überzogen direkt nach dem Wechsel! Aber:

Hätte, Hätte, Fahrradkette!

Mit ein paar Tagen Abstand bin ich absolut im Reinen mit mir und meiner Leistung! An einem optimalen Tag ist immer mehr drin, ist doch logisch! Der Fokus war in diesem Jahr voll und ganz auf den Ironman Hamburg ausgerichtet, Rügen sollte die Saison danach abrunden. Was ist daraus geworden?

Über Arendsee, Roth und Rügen zur WM! End of Story!?

Hamburg war kein richtiges Debüt auf der Ironman-Distanz, da bekanntlich das Schwimmen durch einen zusätzlichen Lauf ersetzt werden musste. Rügen hatte keinen Slot für die WM in Nizza 2019 für mich zu bieten. Das gesamte Jahr 2018 hatte allerdings so viel mehr für mich parat: Etliche Trainingskilometer, viel Spass und eine Menge Erfahrungen in allen Disziplinen! Ich bin gesund geblieben und habe mich in jeder Disziplin teilweise massiv verbessert. Mehr kannst Du Dir für Dein erstes komplettes Triathlon-Jahr teilweise ja gar nicht wünschen!

Der Blick geht nach vorne, sicher wird die Challenge Roth ein, wenn nicht sogar das Highlight in 2019. Nach einer kurzen Off-Season wird der Aufbau mit allen gemachten Erfahrungen ab Ende September losgehen. Arendsee und vor allem auch Rügen werden zwei Mitteldistanzen sein, die ziemlich sicher im Renn-Kalender auftauchen werden. Roth wird dann das „echte“ Debüt auf der Langdistanz und Rügen wird in der Priorität der Wettkämpfe das zweite A-Rennen werden – mit einem Unterschied: Wenn ich an die Start-Linie gehe, möchte ich um einen Platz bei der WM starten! End of Story!?

-MP

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